24. September 2021 / 08:00 Uhr

Andrej Kramaric über seine Treue zu Hoffenheim, Transfer-Gerüchte und die Zeit unter Nagelsmann

Andrej Kramaric über seine Treue zu Hoffenheim, Transfer-Gerüchte und die Zeit unter Nagelsmann

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Andrej Kramaric zählt zu den absoluten Leistungsträgern der TSG Hoffenheim.
Andrej Kramaric zählt zu den absoluten Leistungsträgern der TSG Hoffenheim. © IMAGO/foto2press (Montage)
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Nach dem wechselhaften Saisonstart der TSG spricht Stürmer Andrej Kramaric im SPORTBUZZER-Interview über seine Beziehung zu Hoffenheim und die Wechsel-Gerüchte im Sommer. Zudem beschreibt er die Zeit unter dem heutigen Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

SPORTBUZZER: Herr Kramaric, fünf Punkte aus fünf Bundesliga-Spielen, das dürfte niemand bei der TSG Hoffenheim zufriedenstellen?

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Andrej Kramaric (30): Stimmt. Mit dieser Ausbeute sind wir nicht glücklich. Wir wollen mehr Punkte und auch besseren Fußball spielen. Aber die Saison hat ja gerade erst begonnen, und wir werden hart daran arbeiten, dass unser Punktekonto bald besser gefüllt ist.

Wie erklären Sie sich, dass nach dem guten Start in Augsburg (4:0) und der knappen Niederlage in Dortmund (2:3) plötzlich Spiele folgen, die an die behäbigen Auftritte der Vorsaison erinnern?

Wie Sie richtig sagen, waren die ersten Spiele nicht so schlecht. Wie es dann nach der Länderspielpause zu Leistungen wie gegen Mainz kommen kann – eine Partie, die wir zurecht verloren haben –, ist schwer zu erklären. Trotzdem bin ich überzeugt vom Potenzial unserer Mannschaft. Das hat sie zum Beispiel gegen Ende der vergangenen Saison bewiesen, als wir mehrere Wochen lang unbesiegt bleiben konnten. Ich glaube fest an dieses Team, und auch an mich selbst und meine Leistungsstärke.

Verlässt man sich vielleicht allzu schnell auf dieses fußballerische Potenzial, vergisst dabei aber die Basics?

Nein, dem möchte ich schon deshalb widersprechen, weil jedes Spiel in der Bundesliga eine echte Herausforderung ist, die man ohne diese Basics nicht bewältigen kann. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass wir unseren besten Fußball oft gegen Mannschaften zeigen, die selbst eher über das Spielerische kommen und offensiv agieren. Das sind dann Spiele, die für die Zuschauer schön anzusehen sind. Dass wir mit den sehr kompakt und massiv agierenden Teams bisweilen nicht so gut zurechtkommen, hat aber nichts damit zu tun, dass wir die Basics vernachlässigen würden. Die Statistik zeigt, dass wir in Disziplinen wie Laufleistung, Sprints usw. jederzeit mithalten. Und für mich selbst kann ich sagen, dass ich in jedem Spiel alles gebe und in jedem Spiel Tore machen will.


Apropos Tore machen: Bisher haben Sie vier Treffer vorbereitet, aber noch nicht selbst getroffen. Macht das einen Vollblutstürmer nervös?

Sagen wir so: Es macht mich nervöser, wenn wir nicht gewinnen. Und ich freue mich auch dann, wenn ich Tore vorbereite. Trotzdem möchte ich natürlich selbst wieder gerne treffen, und ich hätte nichts dagegen, wenn das noch öfter der Fall wäre als im vergangenen Jahr …

… als Ihnen mit 20 Toren die bisher beste Trefferquote Ihrer Karriere gelang …

… aber ich weiß auch, dass man die Dinge nicht erzwingen kann. Manchmal hilft Gelassenheit mehr.

War 2020/21 nicht nur nach Toren die bisher beste Saison Ihrer Karriere?

Zumindest wenn man neben der Trefferzahl auch allen anderen statistischen Werten glaubt. 20 Tore in einer so starken Liga zu erzielen, wie der Bundesliga, das ist schon etwas, und klar würde ich das gerne wiederholen. Aber mir ist bewusst, wie schwierig das werden wird. Ich bin nun mal kein Messi, kein Lewandowski und auch kein Ronaldo. Und wenn ich wählen könnte zwischen mehr eigenen Treffern als in der Vorsaison auf der einen und einem besseren Tabellenplatz für Hoffenheim auf der anderen Seite, dann würde immer den Teamerfolg nehmen.

Vermissen Sie manchmal den stürmerfreundlichen Hurra-Fußball unter Julian Nagelsmann?

Das war eine ganz besondere Zeit und bleibt eine schöne Erinnerung. Aber vermissen? Nein! Ich bin immer Realist. Das Leben geht weiter, man kann nicht in der Vergangenheit leben. Wenn wir heute einen etwas anderen Fußball spielen als vor drei, vier Jahren, dann ist das eine nachvollziehbare Entwicklung, auch weil sich der Kader über die Zeit verändert hat. Und egal mit welchem Trainer – dass wir nicht jeden Gegner überrennen, ist auch klar. Wir sind ja nicht Bayern München.

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Viele Experten waren im Sommer überzeugt, dass Sie Hoffenheim verlassen würden, jedes Ihrer Worte wurde damals geradezu seziert. Mussten Sie innerlich lachen, als Sie die Schlagzeilen gelesen haben?

Sie werden lachen: Ich habe all diese Artikel gar nicht gelesen. (lacht)

Dann haben Sie die heutige Schlagzeile, "Kramaric nach Valencia?", wohl auch nicht gelesen?

Um noch mal ganz ehrlich zu sein: Nein! (lacht)

Was hält Sie in Hoffenheim und bei der TSG?

Ich bin jetzt fast sechs Jahre hier, und es war bisher eine hervorragende Zeit, die ich sehr genossen habe. Ich habe in Heidelberg, wo ich wohne, ein wunderbares Leben. Es passt hier einfach, und dafür bin ich sehr dankbar. Und sollte ich doch irgendwann einmal weggehen, werde ich sehr gerne hierher zurückkehren. Aber was die Zukunft wirklich bringen wird, das bleibt abzuwarten.

Sie sind 30. Noch vor zehn, fünfzehn Jahren brach mit diesem Alter für einen Stürmer der Winter seiner Karriere an. Heute aber ist das anders, wie nicht nur Zlatan Ibrahimovic zeigt …

Zum Glück. Und hier mache ich es dann doch so wie Robert Lewandowski, der sagt: Ich fühle mich hervorragend, nicht wie 33, und ich bin sicher, dass ich noch eine ganze Reihe Jahre spielen kann. Ich glaube, dass man vor 15, 20 Jahren als Fußballer noch nicht so professionell gelebt hat, wie das heute der Fall ist. Damals hat man vielleicht einfach das gegessen, was einem am besten schmeckt, man hat auch mal Alkohol getrunken und Spaß gehabt außerhalb des Fußballs. Heute wäre das wegen der sozialen Medien ohnehin nicht mehr möglich. Und wer sich für eine möglichst lange währende Karriere im Fußball entscheidet, der weiß, dass er entsprechend professionell leben muss.