27. Juni 2022 / 23:14 Uhr

Vom Weltrekord-Transfer zum Aussortierten: Wie Gareth Bale bei Real Madrid seine Leidenschaft verlor

Vom Weltrekord-Transfer zum Aussortierten: Wie Gareth Bale bei Real Madrid seine Leidenschaft verlor

Timon Zöfelt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gareth Bale und Real Madrid gehen getrennte Wege.
Gareth Bale und Real Madrid gehen getrennte Wege. © IMAGO/Colorsport (Montage)
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Die Zeit von Gareth Bale bei Real Madrid ist vorbei. Der einstige Superstar schließt sich zur neuen Saison dem Los Angeles FC an und verlässt die "Königlichen" nach einer wechselvollen Zusammenarbeit. Der SPORTBUZZER blickt auf die vergangenen Jahre in der Karriere des walisischen Offensivspielers.

Das Kapitel Real Madrid ist für Gareth Bale endgültig beendet. Einer der einst schillerndsten Namen des Weltfußballs verlässt die große Bühne des europäischen Spitzensports und wechselt zum Los Angeles FC in die MLS. 101 Millionen Euro klaubte der spanische Rekordmeister vor neun Jahren zusammen, um den Offensiv-Star vom englischen Top-Klub Tottenham Hotspur nach Madrid zu lotsen. Nun zieht der inzwischen 32-Jährige ablösefrei weiter – bezeichnend für die Entwicklung einer vielversprechenden Bale-Karriere. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zeichnet die vergangenen Jahre des Walisers nach.

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Real Madrid griff tief in die Tasche. Die damalige Weltrekord-Summe von 101 Millionen Euro schien für Gareth Bale bestens angelegt zu sein. Mit beeindruckender Physis, beachtlicher Schnelligkeit und seinem Zug zum Tor brachte der Waliser bei seinem Wechsel im Sommer 2013 alles mit, was für eine große Karriere im Trikot der "Königlichen" sprach. Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo sollte Bale eine Ära im noch einmal ausgebauten Weltklasse-Angriff der Madrilenen prägen. Sein Beginn in der spanischen Hauptstadt erwies sich jedoch als holprig. Bedingt durch Verletzungen verpasste der Offensivspieler fünf der ersten 16 Pflichtspiele.

Und doch: Wenn Bale spielte, zeigte er starke Auftritte. Gleich bei seinem La-Liga-Debüt am 4. Spieltag gegen den FC Villarreal erzielte er sein erstes Tor. Weitere Highlights folgten: Im Anschluss an einen Sololauf schoss Bale Real gegen Dauerrivale FC Barcelona zum Titel in der Copa del Rey, im Champions-League-Finale gegen Atlético Madrid sorgte er für den wichtigen Führungstreffer in der Verlängerung. Unter dem Strich standen 22 Tore in 44 Pflichtspielen seiner Debüt-Saison, zudem die Titel im spanischen Pokal und der Königsklasse.

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Und so ging es mit Blick auf eingeheimste Trophäen weiter: In neun Jahren bei Real sammelte Bale satte 19 Titel – darunter fünfmal die Champions League. Unvergessen bleiben Highlights, wie sein Fallrückziehertor gegen den FC Liverpool im Königsklassen-Endspiel der Saison 2017/18. Auch seine Trefferquote blieb lange weiterhin ordentlich. Hinwegtäuschen konnten die lichten Bale-Momente jedoch nicht darüber, dass sein Verhältnis zum Klub zunehmend schlechter wurde. Immer wieder fand sich der durch Blessuren ausgebremste Offensiv-Star unter Trainer Zinedine Zidane auf der Bank wieder, äußerte darüber seinen Unmut.

Auch nach den Abgängen des Coaches und von Superstar Cristiano Ronaldo im Sommer 2018 schaffte es Bale nicht, die Rolle des Anführers in der Madrider Offensive auszufüllen, die er in der walisischen Nationalmannschaft wie selbstverständlich lebte. Stattdessen rutschte der Klub in eine Krise, verschliss mit Julen Lopetegui und Santiago Solari zwei Trainer innerhalb kürzester Zeit. Im März 2019 kehrte Zidane als Chefcoach zurück – und Bale geriet immer mehr auch neben dem Platz zu einem Problemfall.

Bale mit Problemen abseits des Rasens

Vorgeworfen wurden Bale mangelnde Integrationsbereitschaft und ausbaufähige Spanischkenntnisse, die sich auch nach sechs Jahren im Real-Trikot nicht entscheidend verbessert hätten. Hinzu kam die Leidenschaft des Walisers zum Golfen, das er dem Vernehmen nach über gemeinsame Abende mit seinen Teamkollegen stellte. Bale provozierte bewusst: Nach der geglückten EM-Qualifikation mit Wales 2019 präsentierte er eine Länderflagge mit der Aufschrift "Wales. Golf. Madrid. In that Order" (dt.: "Wales. Golf. Madrid. In dieser Reihenfolge") und verdeutlichte seine Prioritäten. Den Verein verließ er dennoch nur kurzzeitig bei einem Leih-Intermezzo zurück zu Ex-Klub Tottenham, wo er in der Saison 2020/21 in 20 Liga-Spielen elf Tore erzielte.

Noch einmal kehrte er zur Spielzeit 2021/22 zurück nach Madrid. An seiner Rolle als Reservespieler änderte sich jedoch nichts mehr. Auf sieben Pflichtspiele und ein Tor kam Bale in der abgelaufenen Saison, die das Ende einer zumindest zum Schluss missglückten Liaison markiert. In Zahlen liest sich seine Zeit in Spanien recht ordentlich: Auf 258 Pflichtspiele brachte es der Waliser, in denen ihm 106 Tore und 67 Vorlagen gelangen. Mehr werden nun nicht mehr hinzukommen – sein auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

Und einmal mehr macht Bale im Anschluss daran auch diesmal das weniger Erwartbare: Statt wie zuvor kolportiert in die walisische Heimat zum englischen Zweitligisten Cardiff City, geht es für den Offensivspieler in Amerika weiter. In Los Angeles trifft er auf das italienische Abwehridol Giorgio Chiellini, dessen Legendenstatus Bale trotz eines vielversprechenden Starts während seiner aktiven Laufbahn nicht mehr erreichen wird.

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